OER Konferenz in Berlin 2013

 

Vom 14. bis 15. September fand in Berlin zu freien Bildungsmaterialien (Open Educational Resourcen) in Deutschland die OER Konferenz statt (siehe https://www.wikimedia.de/wiki/OERde13 <16.09.2013>).

Der Begriff „Open Educational Resources“ (OER) wurde von der UNESCO bereits 2002 geprägt. Sie sieht in OER eine „Chance zur Förderung von Wissensgesellschaften und zur Förderung von Bildung für alle Menschen weltweit. OER verfügen über das Potenzial, Bildungsqualität zu verbessern sowie Dialog, Verbreitung von Wissen und Kapazitätsaufbau zu fördern“ (http://www.unesco.de/open_educational_resources.html <16.09.2013>).

Vor dem Hintergrund der (Aus-) Bildung und Förderung von Schlüsselkompetenzen in der Fernweiterbildung, die Präsenz- und Onlinephasen (Blended Learning) sinnvoll kombiniert, interessierte vor allem die Frage nach den Optionen, die Open Educational Resources (OER) und Practice (OEP) im Kontext der kontinuierlichen Ausbildung von Schlüsselkompetenzen als überfachliche Kompetenzen in Abgrenzung zu berufsfeldbezogenen Fachkompetenzen bieten.

Philipp Schmidt (MIT Media Lab; Gründer der Peer To Peer University/P2PU) äußerte in der Opening Keynote „Wie Open Education die (Bildungs-) Welt verändern kann“ die Vermutung, dass der Fokus von OER in Deutschland Kollaboration sein könnte im Unterschied beispielsweise zu Südafrika, wo der Fokus auf Kosteneinsparungen liegt, oder den USA, wo der Fokus auf Innovationen gelegt wird (siehe: http://vimeo.com/74523909 <16.09.2013>). Kollaboration und Kooperation sind Kontexte, in denen Schlüsselkompetenzen wie Kommunikations-, Konflikt- oder Teamfähigkeit zum einen bestenfalls gefördert werden und zum anderen über Erfolg oder Misserfolg der Zusammenarbeit entscheiden.

Eignet sich demnach die Produktion und Nutzung von offenen Bildungsmaterialien und der Ansatz einer offenen Bildungspraxis als Mittel zum Zweck der (Aus-) Bildung überfachlicher Kompetenzen in der Hochschule? Ausgehend von der Annahme, dass Schlüsselerfahrungen ein Kernprodukt von Hochschulen darstellen, erscheint die Betonung von Offenheit (offene Bildungsressourcen) vielversprechend. Offenheit – als Einstellung und Wert –  fördert  Aktivität. Open Educational Practice fokussiert Kooperation und Kollaboration im Sinne einer Ermöglichung von Zusammenarbeit und Teilhabe. Offene Bildungsmaterialien können benutzt oder wiederverwendet, weitergeben, verbessert oder neu zusammensetzt werden (vgl. (re)use, (re)distribute, revise, remix). Diese Ausrichtung an Offenheit ist für die Förderung von Schlüsselkompetenzen grundlegend, da nur durch eigenes Handeln und Reflexion überfachliche Kompetenzen gefördert werden können. Offenheit kann zudem die Qualität von Lehre verbessern, da Fremdreflexion und Dialog ermöglicht wird und ggf. Ideen, Produkte (Bildungsmaterialien und -praktiken) etc. besser werden. OER und OEP ermöglichen gemeinschaftliches Lernen durch Teilhabe (siehe: http://learn.media.mit.edu. <16.09.2013>) und können so die Entwicklung überfachlicher Kompetenzen unterstützen.

Für die Moderatorinnen Prof. Dr. Kerstin Mayberger & Prof. Dr. Sandra Hofhues des Workshops „Open Education in der (Hoch-) Schule zwischen ambitionierten Idealen und realem Alltag“  beginnt Offenheit in der Präsenzlehre und stellt eine Haltung dar (aushalten können). Offenheit kann in (partizipativen) Bildungsräumen mit OER didaktisch fundiert praktiziert werden. Bekannte didaktische Modelle (offline) lassen sich jedoch nicht eins zu eins adaptierbar (online). Prinzipiell erscheint der Lehralltag nur im Kleinen und an ausgewählten Bildungsinstitutionen offen für Neues. Open Education ist mit einem Verständnis für offene didaktische Szenarien in der Hochschule verbunden. Diese Offenheit ist aber nicht von allen Lehrenden erwünscht und auch Lernende sind nicht unbedingt begeistert von Veranstaltungen mit hohem Selbstorganisationsanteil. Bleibt also die Frage: Wie kann man lernen, offen zu sein, und zudem Offenheit als didaktisches Format zu schätzen wissen?

Da wir an der Fachhochschule Potsdam und innerhalb der Fernweiterbildung mit der Lernplattform Moodle arbeiten, war ich besonders gespannt auf den Workshop „Die Lernplattform Moodle goes OER. Wie die OpenSource Lernplattform Moodle OER-Kurse unterstützt“ von Ralf Hilgenstock (Inhaber von eLearning im Dialog, Berlin und Bonn). Inwieweit unterstützt Moodle den Austausch freier Lern- und Lehrmaterialien sowie Open Educational Practice? Dozenten können aus der Moodle-Lernplattform Ihrer Bildungseinrichtung heraus Kurse auf verschiedenen Moodle-Hub-Systemen veröffentlichen und auf letzteren wiederum nach anderen OER-Kursen suchen. Institutsintern ist es möglich, Materialien aus anderen Kursen zu importieren. Moodle hat hierfür eine Funktion zum Veröffentlichen von Kursen. Sie ermöglicht es, Kurse in einem gesonderten Moodle-System, einem Hub, zu hinterlegen (http:// http://moodle.net, ca. 350 Kurse). Die Kurse werden mit Metadaten ergänzt und sind über den Hub von Anderen aufrufbar. Das Medienzentrum Jena ist aktuell die einzige deutsche Quelle. Die Suche nach solchen Kursen erfolgt über einen Block innerhalb des eigenen Moodle-Systems mit dem Namen Community-Suche. Voraussetzung ist, dass die Funktion von der Administration freigegeben wurde. Eine nationale Plattform (de) plus Community Plattform befindet sich aktuell im Aufbau. Als Herausforderungen wurden u.a. das Urheberrecht (Freie Lizenzen gehören in den Quellcode) und Lehrende als „Jäger und Sammler“, denen Verteilen eher wesensfremd ist, thematisiert.

Der zuletzt genannte Aspekt macht deutlich, dass Offenheit als Bildungspraxis Lehr- und Lernkultur betrifft. Open Educational Practice (inkl. freier Bildungsmaterialien) hat im Kontext der Ausbildung von Schlüsselkompetenzen einiges zu bieten. OEP erscheint mir vor allem als Mittel zum Zweck einer offenen an den Lernenden orientierten Lernkultur. Eine offene Bildungspraxis fokussiert Reflexionsfähigkeit, die hinsichtlich der Ausbildung von überfachlichen Kompetenzen notwendig und zentral ist. Die Gestaltung geeigneter Lernräume, die Kooperation und Kollaboration, im Sinne sogenannter Communities of Practice (Lave & Wenger 1991) fördern und  Bildungsangebote,  die die Entwicklung notwendiger Schlüsselkompetenzen ermöglichen, stehen im Zentrum der weiteren Projektarbeit.

Ein Gedanke zu “OER Konferenz in Berlin 2013

  1. Veranstaltungshinweis // Europe goes OER! Welchen Weg geht Deutschland?
    ein Event von Wikimedia Deutschland in Kooperation mit dem Internet & Gesellschaft Collaboratory mit Jöran Muuß-Merholz und Professor Fred Mulder.

    Datum: 3. April 2014 / 18:30 Uhr
    Ort: Wikimedia Deutschland, Tempelhofer Ufer 23/24, 10963 Berlin
    Podium: Jöran Muuß-Merholz und Professor Fred Mulder
    Anmeldung: hier

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