E-Moderation und der Einsatz synchroner Werkzeuge zur Förderung von Schlüsselkompetenzen

PauschenweinAm 5. Dezember 2013 fand, ausgerichtet vom Forum eLearning an der TH Wildau ein Austausch zum Thema „Online Konferenzen in der Hochschullehre – E-Moderation und der Einsatz synchroner Werkzeuge, wie Adobe Connect“ statt.

Zum Thema referierte Frau Dr. Jutta Pauschenwein. Sie leitet das Kompetenzzentrum „ZML – Innovative Lernszenarien“ an der FH JOANNEUM (Graz). Frau Pauschenwein ist zertifizierte E-Moderatorin nach Gilly Salmon. Seit 2007 entwickelt und moderiert sie Online- und Blended-Trainings und seit 2012 beschäftigt sie sich mit „footprints of emergent learning“.

E-Moderation

Einleitend wurden Moderationsziele und Aufgaben von Moderator_innen, die Moderation von Lernprozessen und den Austausch in Präsenzen betreffend, dargestellt.

Moderationsziele und Aufgaben

Tabelle 1: Moderationsziele und Aufgaben der Moderator_innen

Im Kontext von Distance Learning und E-Learning, empfiehlt Frau Pauschenwein explizit eine Verlagerung der Inhalte in den virtuellen Raum. Die Präsenzzeiten sollten vorrangig für (Zeit-) Planung oder auch Gruppenfindungsprozesse, Paarbildung etc. genutzt werden, da sich diese (Abstimmungs- und Findungs-) Prozesse in virtuellen Lernumgebungen als umständlich erweisen können.

Orientierend an dem 5-Phasenmodell für virtuelle Gruppen (Gilly Salmon 2000) eröffnete die Referentin das Feld des Online-Lernens.

Ein problemloser Zugang zur Online-Lernumgebung, die Motivation (erste Stufe) und eine Online-Sozialisierung der Teilnehmenden (TN) (zweite Stufe) stellen die Basis für erfolgreiche Lernprozesse dar. Neben der Sicherheit im Umgang mit der Software wirken aktivierende Übungen und Einstiegsfragen (mögliche Instrumente: Chat, Whiteboard) motivierend, z.B. Vorstellung der TN untereinander, ‚Welche Kompetenzen (Kuchen backen etc.) bringen Sie mit in den Studiengang ?‘ Tipp: Denken Sie breit und kreativ.

In diesen ersten zwei Phasen ist die Unterstützung durch die Lehrenden entscheidend. Ziel ist es, dass die TN Sicherheit im Umgang mit der Online-Lernumgebung gewinnen und eine Vertrauensbasis zwischen den TN und den Lehrenden aufgebaut wird. Es empfiehlt sich auch für die virtuelle Zusammenarbeit und Kooperationen eine Verständigung über gemeinsame Kommunikations- und Arbeitsregeln.

Erst in der dritten Phase beginnt die inhaltliche Arbeit. Als Moderator/Moderatorin haben Sie die Aufgabe, Lernmaterialien und Informationsquellen zur Verfügung zu stellen und Fragen der TN zu beantworten. Auf dieser dritten Stufe geht es vorrangig um den Austausch von Informationen (Suchen, Finden, Ordnen, Klassifizierung, Archivierung, Strukturierung). Ein Einsatz bspw. von Foren, Links kann hilfreich sein. Auf der vierten Stufe steht die Konstruktion von Wissen im Zentrum. Moderator_innen haben hier die Aufgabe Diskussionen zu leiten. Dabei kann es hilfreich sein Diskussionen zusammenzufassen, Fragen zu stellen und Schwerpunkte zu setzen. Auf der fünften Stufe interagieren die TN selbstorganisiert. Die TN nehmen thematische Setzungen vor und setzen sich eigene Ziele. Moderator_innen fungieren in dieser letzten Phase prozessunterstützend und begleiten die Lernprozesse.

Alle fünf Stufen brauchen gleich viel Zeit und jede Online-Gruppe ist eine neue Gruppe!

5-Phasen


Abbildung 1: 5-Phasenmodell für virtuelle Gruppen (Quelle: https://students.idv.edu <09.12.2013>

 

 

 

 

 

Buchempfehlung: Salmon, G.:  E-Moderating, The Key to Teaching and Learning Online: The Key to Online Teaching and Learning, 2000, Taylor & Francis

 

E-tivities

Mit sogenannten „E-tivities“ (Gilly Salmon 2000) lassen sich Online-Aktivitäten initiieren. E-tivities stellen Aufträge für aktives und interaktives Online-Lernen dar und enthalten explizit Reflexionsprozesse. Die zu entwerfenden Aktivitäten weisen folgende Merkmale auf:

  • Instruktion der TN als zugänglicher Online-Beitrag,
  • initiierender kurzer Text („Zündfunke“),
  • bestehend aus individuellen Textbeiträgen der TN sowie interaktiven Elementen, wie Antworten auf Beiträge,
  • Zusammenfassung, Feedback oder Kritik erfolgt durch die Moderator_innen oder das Plenum.

Das Verfassen von E-tivities orientiert sich an folgenden Fragen:

  • Was will ich machen? (Ziel)
  • Was ist zu tun? (Aufgabe)
  • Wie wird reflektiert? (Reaktion)

Studierende lernen voneinander mehr als von den Dozent_innen, daher sollte studentische Expertise sichtbar gemacht werden. Für größere Gruppen empfiehlt die Referentin eine Teilung der Gruppe. Maximal 15 Personen pro Kurs sind optimal für interaktives, kooperatives und kollaboratives Online-Lernen. Die TN verfassen kontinuierlich Textbeiträge, dadurch ist die Distance-Learning-Phase intensiver als die Präsenzphase.

Hinsichtlich des Kursdesigns sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Entwicklungsstufen der virtuellen Lerngruppe
  • einige E-tivities gibt es in jedem Kurs (Willkommen, Motivation, Reflexion der Woche, Weiterentwicklungsplan)
  • Vorbereitung eines neuen Kurses: E-tivities verfassen!

Moderator_innen sollten für die Kursteilnehmenden anwesend sein, vorallem in der ersten Woche. Zudem ist es die Aufgabe der Moderation die Teilnehmerinnen zu aktivieren. Co- Moderatorinnen, die sich selbstorganisiert aus der Gruppe der TN finden, sollten gewürdigt werden. Eine weitere Aufgabe der Moderation ist es Neues anzuregen und Beiträge zu strukturieren, indem bspw. Chats zusammengefasst werden.

Eine Zusammenfassung zu E-tivities wird von der FH Joanneum (Graz) zur Verfügung gestellt und findet sich hier (pdf-Dokument).

Moderation von Online-Konferenzen

Eine Vereinbarung hinsichtlich der (Kommunikations-)Regeln ist wichtig und sollte zu Beginn jeder Video-Konferenz erfolgen (Ausreden lassen, wir sind alle die ganze Zeit anwesend etc.). Die Referentin empfiehlt, sich von jeder/jedem TN hierzu ein Einverständnis einzuholen.

Auch eine synchrone Gruppe – Online-Konferenz – braucht zu Beginn eine Sozialisierungsphase (Zeit für die Gruppe!). Frau Pauschenwein arbeitet auch bei der Vorbereitung von Online-Konferenzen mit E-tivities, hierbei ist auf eine gute Mischung aus Input und aktivierenden Methoden zu achten. Wichtig ist ein gut vorbereiteter Abschluss (Abschlussform / Ritual / Rahmung, z.B. Zusammenfassung, Ausblick etc.).

Ihr persönlicher Tipp: Keep it simple!

Die Ziele der Video-Konferenz sollten klar benannt werden können (Was möchte ich mit dieser Konferenz erreichen? Was sind mögliche Teilziele?) und mögliche inoffizielle Agenden sind zu reflektieren.

Ein genauer Zeitplan und Ablauf der Online-Konferenz ist hilfreich. Bei langen Konferenzen oder komplexen Inhalten sollten Moderationspausen eingeplant werden.

Einzuplanen ist immer auch, dass Technik Zeit braucht und technische Probleme vorkommen können. Daher ist es ratsam die Telefonnummer aller wichtigen Personen vorliegen zu haben, für den Fall, dass ich als Moderator_in ausfalle.

Wie auch Online-Kurse, sollten Konferenzen im Vorfeld angekündigt werden, um technische Details und das technische Prozedere zu kommunizieren. Von Interesse ist weiter die Frage, wer teilnehmen wird. Die Eröffnungsemails sollten über einen normalen Emailaccount gesendet werden.

Folgende Aufgaben haben Moderator_innen von Online-Konferenzen:

  • Wächterin/Wächter der Zeit,
  • Teilnehmerinnen aktivieren, alle kommen dran,
  • Strukturieren und Neues anregen,
  • Protokoll schreiben.

Beispiele für Plattformen:

  • visocon (Soundprobleme am Mac, Redebeiträge müssen angekündigt und von der Moderator_in zugelassen werden ),
  • Adobe Connect: (chaten muss explizit von der Moderator_in erlaubt werden, Bild malen mögl. (Withboard: semantische Differenzial etc.), Flexibilität chatten statt sprechen, bspw. wenn der Sound nicht funktioniert,
  • Google+Hangout: sehr guter Sound, sehr lebendig, jeder kann jedem den Ton entziehen! On-Air Aufnahmen (Lernmaterial) sind sehr gut möglich.

Frau Pauschenwein empfiehlt explizit die Moderation von Online-Lernprozessen aller Art (Online-Kurse, Videokonferenzen etc.).

Die FH Joanneum stellt Checklisten und Leitfäden zu folgenden Themen zur Verfügung (pdf-Dokument):

Die Folien zum Vortrag von Frau Dr. Pauschenwein finden sie hier (pdf-Dokument)

 

Ein Gedanke zu “E-Moderation und der Einsatz synchroner Werkzeuge zur Förderung von Schlüsselkompetenzen

  1. Schöne Zusammenfassung, danke 🙂
    Zusammenfassen ist ja eine wichtige Kunst der E-Moderation
    PS: Die Kommentare zur Usability der einzelnen Plattformen waren von unserer individueller Nutzung im Januar 2013 geprägt. Aufgrund unseres Feedbacks hat die Visocon-Plattform seither super Sound auch auf MAC

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.