Studierende in Deutschland ohne Abitur

Spiegel-online wies gestern, am 11.07.2012, in einem Artikel auf eine Studie zur Durchlässigkeit in der beruflichen Weiterbildung hin, die vom Gemeinnützigen Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) herausgegeben wurde. Die Autorinnen Sigrun Nickel und Sindy Duong führen in dem Arbeitspapier mit dem Titel „Studieren ohne Abitur: Monitoring der Entwicklungen in Bund, Ländern und Hochschulen“ (Arbeitspapier Nr. 157, Juli 2012) die Anteile der Studierenden ohne Abitur an den deutschen Hochschulen zusammen. Basis der Untersuchung sind Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Betrachtet werden hierbei nicht nur die StudienanfängerInnen, Studierenden und StudienabsolventInnen ohne Abitur in Deutschland und jedem einzelnen Bundesland, sondern auch deren Anteile bezogen auf die einzelnen Hochschulen.

Es zeigt sich insgesamt bzgl. aller deutschen Hochschulen eine deutliche Steigerung der Studierenden-Anteile ohne Abitur von 1997 bis 2010 (S. 29), wobei die Zahlen im Vergleich mit dem Ausland immer noch sehr gering ausfallen. Innerhalb Deutschlands ist eine große Spreizung der Anteile an Studierenden ohne Abitur zwischen den jeweiligen Bundesländern zu konstatieren: Nordrhein-Westfalen ist Spitzenreiter mit 4,23 % Anteilen an StudienanfängerInnen ohne Abitur im Jahr 2010, gefolgt von Berlin mit 3,68 %, während das Saarland mit 0,38 % das Schlusslicht des Rankings gibt. Brandenburg ist mit 1,78 % Anteilen zum Mittelfeld zu rechnen (S. 33).

In Brandenburg selbst verfügt die FH Potsdam mit 5,08 % StudienanfängerInnen ohne Abitur im Jahr 2010 zwar nur über ungefähr die Hälfte der Anteile zur FH Brandenburg (10,56 %), die mit mehreren Initiativen und Projekten zum Thema Durchlässigkeit in der beruflichen Weiterbildung ebenfalls sehr engagiert ist, die Werte seien „Im Vergleich zum durchschnittlichen Anteil für das Land Brandenburg aber nichtsdestotrotz beeindruckend“ (S. 60). Leider ist die Darstellung der beiden Autorinnen des von der ANKOM-Initiative geförderten Projektes AKIB an der Fachhochschule Potsdam nicht korrekt: Ziel ist nicht ein „berufsbegleitendes Zertifikatsstudium für Fachangestellte für Medien und Informationsdienste im mittleren Dienst zu entwickeln, mit dem diese in das letzte Semester des Bachelorstudiums Bibliothekswissenschaft bzw. Archivwissenschaft einsteigen können.“ (S. 60) Dieses „Zertifikatsstudium“ besteht bereits seit ca. zehn Jahren an der Fachhochschule Potsdam. Vielmehr wird in AKIB ein Vergleich zwischen der bestehenden berufsbegleitenden Fernweiterbildung im Archiv- und Bibliothekswesen und dem Direktstudium der beiden informationswissenschaftlichen Fächer an der Fachhochschule Potsdam vorgenommen. Daran anschließend erfolgt die Konzeption und Implementation von Ausgleichsmaßnahmen zur Regulierung identifizierter Kompetenzmängel (siehe Projektbeschreibung).

Insgesamt bietet dieses Arbeitspapier einen sehr guten Überblick über die Entwicklung und den Status quo der Studien-Zugangsberechtigungen ohne Abitur und deren bundesländerspezifischen Auswirkungen in Deutschland. Auf diese Weise nebeneinander gestellt, sind die unterschiedlichen Maßnahmen und Vorgehensweisen einzelner Länder und Hochschulen in einem Gesamtrahmen zu beurteilen und in ihren Erfolgen zu vergleichen.